Impressionen aus der Türkei von Heinz Albers
Türkische Impressionen
Berichte, Bemerkungen, Wissenswertes von den Orten

Pergamon, Izmir, Kusadasi, Ephesos, Sirince, Priene, Milet und Didyma
von Heinz Albers
 
Pergamon - Bergama -
Zankapfel Pergamonaltar

Man ist sich einig darüber, dass ein Großteil der griechischen, türkischen und ägyptischen Kostbarkeiten, die in europäischen und amerikanischen Museen lagern, schlicht und ergreifend in dem Herkunftsland gestohlen oder mit fadenscheinigen Genehmigungen nicht autorisierter Stellen oder durch Bestechung und Schmuggel "erworben" worden sind.

Zu diesen Exponaten zählt offenbar nicht der
Zeus-Altar, der seit Ende des 19. Jahrhunderts als "Pergamon-Altar" in Berlin ist.

Das legendäre Bauwerk wurde nach der Überlieferung als Zeus-Altar im Auftrag des Herrschers von Pergamon, Eumenes II., in den Jahren 197 bis 159 v. Chr. errichtet.
Im siebten Jahrhundert n. Chr. wurde der Altar weitgehend zerstört; aus ihm wurde für die Befestigung der Akropolis von Pergamon der notwendige Baustoff gewonnen.

Der Essener Archäologe Carl Humann fand daher bei seinen Grabungen nur noch Bruchstücke vor. In Berlin setzten italienische Restauratoren aus Tausenden von Einzelteilen große Teile des Altars wieder zusammen. Viele Fragmente sind auf immer verschwunden oder lagern in anderen Musen der Welt.

Durch ein Abkommen vom 16.08.1879 zwischen der Hohen Pforte und der deutschen Regierung kamen die Bruchstücke des Pergamonaltars in die deutsche Hauptstadt. Die osmanische Regierung wollte anfangs eine Teilung vornehmen. Danach sollte Deutschland zwei Drittel und das osmanische Reich ein Drittel erhalten. Es wurde ein Vertrag ausgehandelt, der gegen eine Zahlung von 20.000 Goldmark (nach heutigem Kurs etwa 197.000 Euro) dem Deutschen Reich den kompletten Fund überließ.
Die türkische Regierung verlangt periodisch die Rückgabe des Zeustempels. In Berlin sollen Belege vorhanden sein, dass die Fundstücke aus offiziellen Grabungen stammten und nach dem türkischen Antikengesetz von 1874 die Ausfuhr genehmigt war. Kommuniziert man eigentlich nicht miteinander?

Wäre Carl Humann nicht gewesen, wären der Zeusaltar und viele andere Hinterlassenschaften der Antike innerhalb kürzester Zeit unwiederbringlich vernichtet worden.
Die Bewohner Bergamas hatten nämlich den Marmor der Ruinen von Pergamon dazu benutzt, Straßen damit zu pflastern und Gebäude in ihrer Stadt daraus zu errichten. Teile des Marmors wurden zerbrochen und gemahlen, um daraus Kalk herzustellen.

Gerne hätte ich an dieser Stelle ein aktuelles Foto vom Pergamonaltar eingebunden und wäre nur aus diesem Grunde nach Berlin gefahren. Auf Nachfrage sandte mir die Dienststelle "Staatliche Museen zu Berlin, Generaldirektion Abt II" jedoch folgendes Statement: "...genehmigen wir eine Veröffentlichung des in unseren Häusern entstandenen Bildmaterials im Internet von Privatpersonen aus grundsätzlichen Erwägungen nicht."

Für das Pergamonmuseum bedeutet das Vorhandensein des Zeusaltars eine Goldgrube. Jährlich werden schätzungsweise zehn Millionen Euro an Eintrittsgeldern eingenommen.

Pergamons Geschichte reichte vom 8. Jahrhundert bis zum Jahre 133 vor unserer Zeitrechnung. Im 3. und 2. Jahrhundert v. Chr. war Pergamon Hauptstadt des mächtigen Pergamenischen Reichs, das weite Teile des westlichen und südlichen Kleinasiens bedeckte. Die Stadt zählte 200.000 Einwohner. Der letzte Herrscher, König Attalos II., vererbte die Stadt seinen Verbündeten, den Römern, weil er kinderlos starb.

In Pergamon befand sich eine Bibliothek, die angeblich 200.000 Rollen umfasste. Der komplette Bestand soll der ägyptischen Stadt Alexandria übergeben worden sein. Damit sollte der Verlust ausgeglichen werden, der nach der Vernichtung der alexandrinischen Bibliothek durch den Brand im Jahre 41 v. Chr. entstanden war. Forscher sind sich uneins darüber, ob Schenkung und Brand stattgefunden haben.
Das Wort "Pergament" leitet sich aus dem Wort Pergamon ab. Pergament diente als Ersatz für Papyrus, der den Bürgern Pergamons nach einem Boykott Ägyptens nicht mehr zur Verfügung stand. Die Kunst, Pergament aus Tierhäuten herzustellen, war schon länger bekannt. Sicher stammte diese Erfindung nicht aus Pergamon, sondern vermutlich aus der Hochkultur des fernen Mesopotamiens. In Pergamon gelang angeblich eine Verbesserung des Produkts.

Unterhalb des 335 m hohen Burgberges, auf dem die Ruinenstadt Pergamon steht, breitet sich die Stadt Bergama aus, die heute etwa 58.000 Einwohner hat. Von dort aus erreicht man mit einem Aufzug und einer Seilbahn sehr bequem das alte Pergamon.

Zu den Fotos von Pergamon
 
Izmir/Smyrna/Smirni
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ein Trauma


Izmir gehörte seit 1424 zum Osmanischen Reich und war zuvor unter dem Name Smirni griechisch.

Die Türkei gehörte zu den Verlierern des 1. Weltkrieges. Das Land wurde politisch und geografisch zerschlagen. Der Süden wurde von den Italienern, der Osten von den Armeniern besetzt. Die Franzosen und Engländer konnten endlich darüber verfügen, was sie schon immer hatten haben wollen: den türkischen Teil Arabiens und des Orients mit seinen Reichtümern. Den Türken selbst blieb nur das Kernland um Ankara.
Die Griechen erhielten die Stadt Smyrna (Izmir), die seit 500 Jahren türkisch war, zu treuhänderischer Verwaltung mit dem Ziel, nach fünf Jahren Anwesenheit über einen Volksentscheid die Einwohner bestimmen zu lassen, ob sie fortan dauerhaft zu Griechenland oder zur Türkei gehören möchten.
Das klingt vernünftig, weil die Ägäisküste der Türkei von alters her griechisches Siedlungsgebiet war. Allerdings wird die Angelegenheit fadenscheinig, wenn man bedenkt, dass die Einwohnerschaft Izmirs zum Ende des 1. Weltkrieges aus 155.000 griechisch-Orthodoxen und aus nur 45.000 Türken bestand. Ein Eklat war also vorprogrammiert. Das war von den Alliierten so gewollt. Die Waffenlieferanten litten unter der plötzlichen Friedenszeit und verlangten nach militärischen Konflikten.
Im Zuge einer größenwahnsinnigen Aktion überschritten die Griechen 1919 ihr Mandat und rückten mit ihrer Armee in Kleinasien ein, um "ihren" Teil bis hinauf nach Istanbul zu erobern und zu einem Großgriechischen Reich zu vereinen. Und das geschah mit Unterstützung der Alliierten. Die Engländer versorgten die Griechen mit Waffen, die Italiener die Türken.

Das Gemetzel begann. Die Griechen überrannten Izmir und töteten, wer immer auch im Wege war. Unmittelbar nach Beginn der Invasion wurden türkische und andere muslimische Zivilisten der Region durch die griechischen Truppen umgebracht. Allein am ersten Tag der Invasion wurden etwa 1.000 Zivilisten getötet. Die Griechen zogen mir ihrer gut ausgerüsteten Armee ein Blutbad hinterlassend in Richtung Norden und Osten.
Der Feldzug dauerte bis etwa 1921. Dann wurden die Griechen in mehreren Schlachten von den Türken unter Mustafa Kemal vernichtend besiegt. Er eroberte mit seinen Truppen Izmir zurück.
Aber nationalistischer Hass entwickelte eine kaum für möglich gehaltene Bestialität. In den ersten Tagen der Eroberung wurden 40.000 Menschen umgebracht. Und das war noch nicht das Ende der Gewalt. Mehrere Stadtteile gingen in Flammen auf; Izmir wurde ein Raub des Feuers. Ein Teil der griechischen Bevölkerung konnte von britischen Schiffen evakuiert werden. Andere wurden von den Türken vertrieben oder exekutiert. Der Literatur-Nobelpreisträger Ernest Hemingway war damals Zeuge der Vorfälle "Auf dem Quai in Smyrna". Lesen Sie seine Kurzgeschichte, und Ihnen bleibt die Luft weg. Immer dann, wenn Sie von einem "Griechischen Haus" hören, z.B. in Sirince, sollten Sie sich an den geschichtlichen Hergang erinnern.
Zwischen 1922 und 1923 wurde eine Massenvertreibung und Enteignungen vorgenommen: 500.000 Türken mussten Griechenland und 1,25 Mio. Griechen mussten die Türkei verlassen.
Im Vertrag von Lausanne wurde den Türken Izmir und die gesamte Westküste Kleinasiens zugesprochen.

Für beide Länder bedeuten diese schrecklichen Ereignisse ein Trauma, das bis in die Gegenwart wirkt. Erst langsam verheilen die Wunden.

Es ist mir bewusst, dass in ein paar Zeilen die geschichtlichen Abläufe nicht umfassend gewürdigt werden können. Zu viele Dinge sind passiert, zu kompliziert sind die Zusammenhänge. Wer mehr Infos haben möchte, kann sich u.a. hier informieren.


Die Gegenwart

Die Stadt Izmir mit seinen vielen Vororten präsentiert sich heute als moderne, westlich orientierte Stadt in phantastischer Lage. Einige moderate Hochhäuser und städtebauliche Auswüchse gibt es, was bei einer 3-Millionen-Stadt wohl nicht ganz zu vermeiden ist. Die Verschandelungen halten sich in erträglichen Grenzen.

Den Bürgerinnen Izmirs ist zumindest äußerlich nicht anzumerken, dass ihre Erziehungsgrundlagen seit 600 Jahren islamischen Grundsätzen folgen
. Die meisten jungen Frauen treten selbstbewusst, weltoffen und den westeuropäischen Traditionen zugewandt auf.
Folgende Anekdote verdeutlicht den Lebensunterschied zwischen einer Frau aus Izmir und einer, die östlich von Ankara lebt:
Die Izmirin ist tagsüber sehr zufrieden und nachts unzufrieden, während die im fernen Anatolien lebende Frau ein umgekehrtes Lebensgefühl hat: Sie ist tagsüber unzufrieden und nachts sehr zufrieden.
Der Unterschied resultiert daraus, dass die Izmirin in ihrem Beruf und Business erfolgreich und anerkannt ist. Wenn sie abends mit gestärktem Selbstbewusstsein nach Hause kommt findet sie einen vom Stress und dem Business angefressenen Mann vor, der nach einigen dringenden Handy-Telefonaten und ein paar Raki apathisch ins Bett fällt. Die anatolische Frau jedoch stöhnt während der Tagesstunden über ihr bäuerliches Los, das ihr die Feldarbeit, den Haushalt und die Sorge um die Kinder aufgebürdet hat. Während sie abends müde ist kommt ihr Mann wohl erholt heim, weil er tagsüber im Caféhaus oder in der wärmenden Sonne gesessen hat und mit seinen Leidensgenossen Tavla gespielt und Reden geschwungen hat. Voller Elan und Kraft widmet er sich fortan seiner Gattin, höchstens mal von einem Ruf an die Kinder: "Ruhe! Morgen ist Schule!", sich von seinem befriedigenden Tun abgelenkt.
Die jungen Männer Izmirs aber kennen dem Vernehmen nach jede Moschee der Stadt. Nicht wegen des Gebets, sondern weil es dort öffentliche Toiletten gibt, deren Benutzung zum allgemeinen Bedauern seit einiger Zeit gebührenpflichtig ist.

Zu den Fotos von Izmir
 
Kusadasi - Kuşadası
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Touristenmetropole


Die Stadt Kusadasi hat rund 60.000 Einwohner. In den Sommermonaten schnellt diese Zahl wegen des Tourismus auf über eine halbe Million hoch. Hinzu kommen noch Tagestouristen aus aller Welt, die mit Kreuzfahrtschiffen Kusadasi überschwemmen, sowie eine immens hohe Zahl an Dienstleistungskräften, die dafür sorgen, dass diese Stadt auf Hochtouren laufen kann.

Die Stadt ist traditionell gut auf den Tourismus eingestellt, denn schon in den 1960er Jahren war Kusadasi als Urlaubsziel vor allem bei wohlhabenden Briten und Amerikanern sehr begehrt. Hafen und Hinterland (Ephesos!) sorgten für regelmäßige Touristenströme. (Freilich kamen die meisten Besucher mit Schiffen an. Und nicht wie ich mit dem Zug.) Als ich im Sommer 1966 erstmals die Stadt besuchte, herrschte noch immer ein eher kleinstädtisches Leben.
Hier ist ein Foto von Kusadasi aus dem Jahre 1966. Zum Vergrößern klicken Sie bitte auf das Bild.

Foto: Kusadasi, Türkei, 1966
In der Bildmitte ist die alte Karawanserei und daneben die Kaleiçi Camii Moschee zu erkennen. Sonst gibt es kaum noch Ähnlichkeiten zum heutigen Stadtbild.

Und heute, 2011?
Kusadasi ist eine völlig an westlichem Kulturgut orientierte moderne Stadt mit sehr freundlichen, hilfsbereiten und kontaktfreudigen Menschen. Es ist mir ein Rätsel, woher die Bewohner der Stadt ihre Ruhe und Ausgeglichenheit nehmen. In dieser Hinsicht stellt Kusadasi die meisten Touristenzentren rund ums Mittelmeer in den Schatten.
Entlang der Küste und der kilometerlangen Strände wurden Hotelburgen errichtet, die auch die Dörfer südlich okkupiert haben. Zwischen der D515 und den Bergen drängen sich Ferienwohnungen. Man scheute sich nicht, selbst auf den Bergen Hochhäuser zu errichten. Deren Fertigstellung wurde jedoch zweitweise unterbrochen, weil die Erdbebensicherheit nicht gewährleistet war. Zwischenzeitlich hat man entsprechende baustatische Maßnahmen getroffen, und die architektonische Katastrophe nimmt ihren Lauf.
Die Innenstadt ist mit ihren vielen Shops voll auf den Fremdenverkehr eingestellt. Lokalkolorit wird man kaum finden. Man muss sich wohl ganz in Richtung Süden oder aufs Land bequemen, wenn man noch eine Gaststätte finden will, in dem abends Türken anzutreffen sind. In Davutlar, 100 m südlich des Hotels Grand Belish, gibt es direkt am Strand so ein Refugium, das Paradise Beach Engin Cin. Das Grundstück ist ein Vermögen wert. Die Inhaber wollen es aber nicht verkaufen; sie möchten dort weiterhin ihren bescheidenen Geschäften nachgehen. Allerdings will man im Laufe des Jahres vergrößern und zusätzlich ein Open-Air-Café errichten.
Die Frau des Hauses bereitet türkische Spezialitäten zu. Ihr Mann versorgt während der kühlen Jahreszeit den altertümlichen, in der Mitte des Raums stehenden eisernen Herd mit Brennholz; so wie in einem griechischen Megaron vor 3.600 Jahren. Die jüngeren Familienmitglieder führen das Geschäft und bedienen die Gäste. Das sind Leute aus den umliegenden Hotels oder Ferienwohnungen und natürlich die Türken, die dort Tavla (Backgammon) spielen und dabei Oliven und ihren Raki oder Wodka verzehren. Zwischendurch finden die Männer immer wieder spontan Zeit für einen gemeinsamen Tanz, der wichtige Erlebnisse der vergangenen Tage widerspiegeln kann. Wir waren Zeugen, als der Chef des Hauses ein verletztes Bein choreografisch erstaunlich gut darstellte. Dieses geschieht natürlich nicht mit Untermalung irgendeiner westeuropäischer Tralalamusik. Dazu bedarf es schon dieser anregenden türkisch-arabesken Klänge.
Rasch und unkompliziert kommt man ins Gespräch; etwas Deutsch spricht hier fast jeder. Und schnell stellen sich ungeahnte Sympathien zu diesen netten Menschen ein. Und man denkt sich, schön wäre es, wenn man dort noch einmal wäre

Zum Vergrößern bitte auf die Fotos klicken.

 
 

Ephesos - Ephesus - Efes
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Im Altertum eine der bedeutendsten Städte

Es ist schon erstaunlich, dass Ephesos, eine Stadt mit einer derartigen Bedeutung und einst mit vermutlich 200.000 Einwohnern eine der größten Metropolen der Welt, von ihren Bewohnern aufgegeben und verlassen wird und innerhalb weniger Jahrhunderte verfallen und in Vergessenheit geraten kann.
Der Philosoph Heraklit ("Der Krieg ist der Vater aller Dinge", lebte ca. 520 - 460 v. Chr.) stammt aus Ephesos. Er verfluchte die Epheser und forderte sie auf, sich Mann für Mann zu erhängen und den Kindern die Herrschaft zu überlassen (Luciano De Crescenzo). Vielleicht setzten seine Mitbürger Jahrhunderte später diese Aufforderung in die Tat um?

Damals war Efes, wie die Türken diese Stadt nennen, eine Hafenstadt.
Noch im Jahre 1611 bemerkte der schottische Reiseschriftsteller William Lithgow: "Das Erste, was wir auf der Fahrt entlang der ionischen Küste sahen, waren die Ruinen der Stadt Ephesus…" Heute liegt Ephesus sechs Kilometer weit von der Küste weg; und nichts würde Lithgow vom Meer her von dieser Stadt sehen.

Ephesus beherbergte eines der
Sieben Weltwunder der Antike, den Artemis-Tempel (Artemision), von dem heute nur noch eine Säule zu sehen ist. 120 Jahre wurde an dem Tempel gebaut, und im Jahre 356 v. Chr. vernichtete Herostratos durch Brandstiftung in wenigen Stunden das Heiligtum. Alsbald entstand an der selben Stelle ein imposanter Neubau, der im Jahre 262 n. Chr. von den Goten zerstört wurde. Und die Bewohner der Umgebung gaben ihm den Rest: Sie verwendeten die Steine der Ruine zum Bau ihrer Häuser und Ställe. Ein Teil wurde auch in der Johanneskirche verbaut. So ging vor über 1700 Jahren die tausendjährige Geschichte des Artemistempels zu Ende.
Der Artemis-Tempel befindet sich nicht unmittelbar in Ephesos, sondern etwa 2 km Luftlinie nordöstlich am westlichen Stadtrand von Selçuk.

Die Archäologen haben im Laufe der Zeit viele prachtvolle Gebäude aufgedeckt und wieder aufgebaut. Das wird durch meine Fotos (siehe unten) dokumentiert. Ein Ausflug nach Ephesos lohnt sich allemal. Einsamkeit werden Sie allerdings kaum vorfinden, denn heutzutage besuchen jährlich mehrere Hunderttausend Touristen die Stadt. Sie ist damit eine der Hauptanziehungspunkte der Türkei geworden und gewinnt so einen Teil ihrer historischen Bedeutung wieder.

Zu den Fotos von Ephesos

 
Şirince - Sirince
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Das Bergdorf



Das in den Bergen gelegene Dorf Şirince ist vor allem wegen seiner Häuser aus dem 18. und 19. Jahrhundert bekannt.
Eine schmale, zweispurige Straße verbindet das in etwa 350 m Höhe liegende "Bergdorf" mit den Städten der Umgebung: 28 Kilometer beträgt die Entfernung von Kusadasi, etwa 8 Kilometer sind es von Selçuk und Ephesos. Von der engkurvigen Straße genießt der Beifahrer vielfach eine schöne Aussicht auf grüne Täler, die mit Olivenbäumen, Wein und Obstbäumen bewachsen sind.

Für die Erhaltung der historischen "Griechenhäuser" wird viel getan. Es gibt aber auch einige beschädigte, unbewohnte Ruinen. Das Dorf steht unter Denkmalschutz.

Unter der Herrschaft der Osmanen lebten im 19. Jahrhundert in dem Ort vorwiegend Griechen. Um 1923 endete die Zeit der griechischen Bevölkerung Şirinces. Die Bewohner mussten das Dorf verlassen; sie wurden nach Griechenland zwangsumgesiedelt. Im Gegenzug kamen Türken überwiegend aus der Gegend um Thessaloniki und Kavala.
Weitere Informationen zu diesem dramatischen Thema finden Sie in dem Artikel über Izmir.

Die Dorfbewohner, fast ausschließlich Nachkommen der umgesiedelten Türken aus Griechenland, sind freundlich und nett - wie man es von den Türken gewohnt ist.
Ein Geheimtipp und ein verschlafenes Dorf ist Şirince allerdings auf gar keinen Fall, wenn auch manche Werbeaussagen das blumig behaupten. Der Ort hat sich ganz dem Tourismus ergeben.
Im Winter, bis Anfang März wird man bestimmt noch seine Idylle finden. Während der allgemeinen Touristenzeit an der Küste ist jedoch der Andrang an Besuchern enorm. In den Sommermonaten ist dieses Dorf tagsüber dermaßen überfüllt, dass in den Restaurants kaum noch ein freier Platz zu finden ist. Höchstens vormittags und abends findet man noch seine Beschaulichkeit. Die engen, steilen und malerischen Gassen sind voll mit sich hin und her schiebenden Menschen. Der Slogan "Şirince, das nette Weindorf" gilt nur, wenn die Massen wieder abgezogen sind.
Wegen der Hanglage ist es unerlässlich, gut zu Fuß zu sein.

Es gibt zahlreiche Gasthäuser (besonders zu empfehlen sind das Restaurant Artemis und das Üzüm-Café) und Pensionen, sowie zwei Kirchen. Der von uns besuchten Johanneskirche fehlte allerdings jegliche Innen-einrichtung. An einer Mauer wurden Teile einer alten Wandmalerei freigelegt. Das ist auch der einzige sakrale Schmuck.
Dem Vernehmen nach sollen sich einige Pensionen darauf spezialisiert haben, ausschließlich "Liebespaaren" Unterkunft zu gewähren. Das aber nicht stundenweise.

Die Frauen aus Şirince bieten in ihren Läden, Straßenständen oder Hauseingängen ihre eigenen Produkte an. Das sind vor allem Oliven, Olivenöle, Olivenseife und Ziegenkäse. Hausgemachte Handarbeiten gibt es überall zu kaufen. Ein kleiner überdachter Basar schützt im Winter vor Schnee und im Sommer vor dem meist sehr heftigen Sonnenschein. Hier wird auch das verkauft, was die Touristenmasse so liebt: Souvenirs und Kitsch aus der ganzen Welt.
Den vor Ort produzierten Wein, dessen Herstellungs-tradition noch aus der griechischen Zeit stammt, haben wir nicht gekostet; er soll aber durchaus trinkbar sein. Wobei man festhalten muss, dass die Türkei nicht als typisches Weinland gilt. Der deutsche Winzer Helmut Krauss sorgt aber derzeit in Sirince für Furore.

Zu den Fotos von Sirince
 
Priene
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Die Verlandung von Priene und Milet durch den Fluss Mäander


Die klassische, archaische Bucht von Milet bestand nur bis zum 5. Jahrhundert vor unserer Zeitrechnung. Zur Zeit des Weisen Bias von Priene (* um 590 v. Chr., † um 530 v. Chr.) existierte die Meeresbucht noch so, wie sie auf der Karte zu sehen ist.
Die violett dargestellten Linien zeigen, dass Priene, Milet und andere Orte und Inseln im Laufe der Jahrhunderte verlandeten. Vermutlich um 250 vor Chr. war Priene nicht mehr von Meer zu erreichen. Das selbe Schicksal ereilte Milet ab 800 nach Chr.
Die Bucht wurde mit dem angeschwemmten Sand des Flusses Mäander förmlich zugeschüttet. Daraus folgte, dass die Region nach und nach vom Seeweg abgeschnitten wurde.
Für die auf Seehandel ausgerichteten Städte wie Milet war das eine Katastrophe und führte in der Regel zum wirtschaftlichen Niedergang.

Noch heute führt der Fluss Menderes (Mäander) so viel Sedimente mit sich, dass die Küstenlinie auch zukünftig weiter gegen Westen verschoben werden wird.

Die in der Karte eingezeichneten Inseln Lade Island (Batiköy) und Hybanda Island sind schon längst Teile des Festlandes.

Die Entfernung Priene - Milet beträgt Luftlinie etwa 14 km.

Klicken Sie bitte zum Vergrößern auf das Foto.

Verlandung von Priene und Milet durch den Fluss Menderes



Falls Sie sich bei dem Flussnamen "Mäander" an so etwas erinnert fühlen
Ornament Mäander
sollten Sie wissen, dass tatsächlich dieser windungs-reiche Fluss für die Benennung des Ornaments der Namensgeber war.

Die Existenz der Stadt Priene - einst eine bedeutende Hafenstadt - ist seit dem 7. Jh. v. Chr. bekannt. Im 6. Jh. v. Chr. lebte dort der Gesetzgeber Bias, einer der Sieben Weisen.
Im 5. Jh. v. Chr. wurde die Stadt von den Persern zerstört und Mitte des 4. Jh. v. Chr. wegen Verlandung des Hafens an anderer Stelle auf einer Berghöhe wieder auf-gebaut.
Nach dem Tode Attalos II. (siehe auch unter Pergamon) kam Priene zu Rom. In der Architektur der Stadt findet man dennoch kaum römische Einflüsse.
In der Ruinenstadt wurden von Archäologen die öffentlichen Gebäude und die Fundamente von etwa 50 Privathäusern freigelegt. Highlight ist der Athena-Tempel, von dem fünf der ursprünglich 30 Säulen restauriert worden sind.

Zu den Fotos von Priene
 
 
Milet -
und die Wissenschaft

Milet war bereits vor 6000 Jahren bewohnt. Aber erst nach der Besiedelung durch die Ionier im Jahre 1000 vor unserer Zeitrechnung wurde Milet zum Zentrum des Handels und zu einer der wichtigsten Städte der damaligen Welt. Milet gründete Kolonien am Schwarzen Meer und bis nach Ägypten; die französische Stadt Marseille ist eine Gründung von Milet. Der Reichtum der Stadt beruhte in erster Linie auf Handel. Der einzige Gott, der damals hier etwas zählte, war Gott Mammon.
Wie die rechte Schwurhand ragte damals die Halbinsel Milet in das Ägäische Meer. Zwei große Häfen, einer unmittelbar am Theater, bot Platz für Schiffe aus allen Ländern der damaligen Welt. Der Fluss Mäander bewirkte durch das Heranführen von Sedimenten die Verlandung von Milets Häfen und der kompletten alten Küstenlinien. (Einzelheiten dazu siehe unter dem Artikel Priene.)
So ist aus einer Weltstadt mit einst großen Seehäfen ein betuliches Landdorf geworden. Die Meeresküste ist heute etwa sieben Kilometer weit weg.
Von Milet führte eine 15 km lange Prozessionsstraße nach Didyma, in der sich das Orakelheiligtum des Apollon befand. Aber Reichtum und Wohlstand wecken Begehrlichkeiten. So wurde Milet von den Horden des Persers Darius dem Erdboden gleichgemacht. Die meisten Milesier wurden getötet oder in die Sklaverei verschleppt.
Die Stadt wurde wieder aufgebaut, und die Straßen wurden erstmals in einem Schachbrettmuster angelegt, dessen Erfinder der Milesier Hippodamos war. Die Stadt Milet erreichte jedoch nie wieder die Bedeutung, die sie zuvor inne hatte, da Ephesos als neues Zentrum aus-erkoren war.
Ein prunkvolles Bauwerk Milets aus dem 2. Jh. n. Chr., das sogenannte Markttor, befindet sich im Pergamon-museum in Berlin.

Thales
war der berühmteste Milesier. Er war der erste, der die Lösung der Geheimnisse der Welt nicht mehr den "Göttern" überließ. Er sagte den Menschen von Milet die Sonnenfinsternis vom 28. Mai 585 v. Chr. voraus. Er berechnete die Höhe der Pyramiden über die Schattenlänge und teilte das Jahr in 365 Tage ein. Thales war Mathematiker ("Satz des Thales") und gilt als Begründer der Philosophie und der Wissenschaft. Er hinterließ keine Schriften und keine Kinder (laut Diogenes "aus Liebe zu den Kindern").
Der berühmte Anaximander war Thales' Schüler. Beide, Thales und Anaximander, waren aber noch der irrigen Meinung, dass die Erde eine Scheibe sei und auf ihr das Halbrund des Himmels throne. Dass die Welt aus Wasser bestand lehrte Thales, während ein anderer berühmter Milesier, Anaximenes, behauptete, sie bestehe aus Luft. Thales starb 78-jährig als Zuschauer einer Veranstaltung im Stadion von Milet.
Zu erwähnen ist noch Hekataios, ein Geograph, der von 560 bis 480 v. Chr lebte, der als einer der ersten Forschungsreisenden gilt. Er gilt auch als Begründer der Geschichtsschreibung. Das älteste noch erhaltene abendländische "Buch" trägt den Titel "Perser". Geschrieben wurde es von Timotheos von Milet, * um 450 v. Chr., † 360. Die Papyrusrollen befinden sich im Ägyptischen Museum in Berlin.

Zu den Fotos von Milet
 
Didyma
-
und das Orakel


Didyma, das heutige Didim, war eine antike Stadt mit einem bedeutenden Orakelheiligtum des Gottes Apollon. Noch heute zeugen die Reste des Apollon-Tempels mit seinen fast 20 m hohen Säulen von den gewaltigen Ausmaßen. Über 600 Jahre wurde an dem Tempel gebaut; fertig gestellt wurde er nie.
Das Orakel befand sich im Didymäon. Didyma gehörte zum Stadtbezirk ("Polis") von Milet. Didyma konnte von Milet über See oder über eine Prozessionsstraße erreicht werden.

Die Legende berichtet, dass die Titanide Leto am Ort dieser Orakelstätte, einer Süßwasserquelle, ihre Zwillinge Artemis und Apollon von Zeus empfangen habe. Irgendwann erschien Gott Apollon einem einheimischen Hirten, dem er die Sehergabe verlieh. Später wurden dafür Priester von Milet eingesetzt.

Das Orakel war keine Weissagung, kein Hellsehen, keine Magie.
(Das bei der Fußball-Weltmeisterschaft 2010 berühmt gewordene "Orakel Paul" war ein Tintenfisch aus dem Oberhausener Sealife-Aquarium. Er sagte den Ausgang aller Spiele mit deutscher Beteiligung richtig voraus, Paul war folglich kein Orakel. Immerhin hatte die Menschheit mit ihm etwas Greifbares, Physisches an der Hand; im Gegensatz zu den eher metaphysischen, von Menschen erdachten Gottheiten.)

Das Orakel unterscheidet sich von der Hellseherei dadurch, dass das Orakel die Offenbarung eines Gottes übermittelt.

Der Orakelspruch war ein "Bescheid" im weitesten Sinne des Wortes¹). Das Orakel sagte nicht, was geschehen wird, es ordnete an. Verkündet wurde der Spruch in der Regel durch einen oder mehrere Priester. ("Priester" ist nicht im Sinne der heutigen Wortbedeutung zu verstehen, denn Tempel und Glauben waren nicht organisiert. Die Bezeichnung "Tempelwärter" wäre passender.)
Der Gottesspruch konnte, je nach Ort der Orakelstätte, unterschiedlich gebildet werden: Bestimmte Geräusche von heiligen Eichen, der Erde oder Schreie, die Art des Vogelflugs, der Rauch und die Asche von Opfertieren, sogar Träume wurden dazu herangezogen. In Didyma war wohl das Geräusch der Quelle Maß aller Dinge.
Natürlich müssen alle Orakelsprüche interpretiert werden. Und an dieser Stelle war dem Missbrauch Tür und Tor geöffnet. Abhängig ist der Bescheid folglich von der Person, die das Orakel, die göttliche Offen-barung, interpretiert und von der Person, die den Bescheid annimmt und umsetzt.
Tatsache ist, dass vor großen (politischen) Ent-scheidungen grundsätzlich zuerst das Orakel befragt wurde und dessen "Bescheid" ernsthaft gewürdigt und berücksichtigt wurde.

Der genaue Ablauf beim Erteilen einer Prophezeiung ist nicht bekannt. Überliefert ist, dass bei einem ungünstigen Bescheid gelegentlich auch ein zweites Orakel befragt wurde.

Auf dem griechischen Festland erreichte das Orakel von Delphi die größte Popularität.

Im Zuge der nahezu vollständigen Entvölkerung Griechenlands durch Kriege, Überfälle, gewollte Kinderlosigkeit, Auswanderung, Bürgerkämpfe, Seuchen und lokale Erdbeben verloren die Orakelstätten ihre Bedeutung; sie verfielen oder wurden zerstört. Nach dem späteren Aufkeimen der neuen christlichen Lehre passten sie auch nicht mehr in das sich langsam wandelnde Weltbild.

Ein weiteres fotografisches Highlight in Didyma ist das Relief der Medusa, das Medusenhaupt.
Medusa war ein geflügeltes Ungeheuer mit Schlangenhaaren, langen Eckzähnen, einem Schuppenpanzer, glühenden Augen und heraushängender Zunge; so sahen auch ihre Schwestern, die Gorgonen aus. Der Anblick der Medusa ließ jeden zu Stein erstarren. Ursprünglich war die Medusa schön. Als Göttin Pallas Athene sie jedoch bei einem Liebesspiel mit Poseidon in einem ihrer Tempel überraschte, verwandelte sie Medusa in diese Schreckgestalt.²)

Der Urlauberregion von Didim befindet sich etwa vier Kilometer westlich und südlich der Ruinenstätte von Didyma. Didim ist ein aufstrebendes Touristen-Ziel. Besonders rund um den Hauptstrand im Stadtteil Altınkum (südlich von Didyma) spielt sich das Leben der vielen Sonnenanbeter ab.

¹) Jacob Burckhardt, Griechische Kulturgeschichte
²) Quelle: Wikipedia



Zu den Fotos von Didyma

 

(wird 2012 fortgesetzt)
 
             
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