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Mit Karl May im Tal der Könige Auszug aus der Kurzgeschichte von Heinz Albers |
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![]() Im Tal der Könige ![]() Tal der Könige ![]() Grab Tausret und Sethnacht ![]() Grab Tausret und Sethnacht ![]() Grab Tausret und Sethnacht |
Die vollständige Geschichte können Sie in meinem
Buch "So fern und doch so nah" lesen. |
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Unser Reisebus näherte sich dem Parkplatz am „Tal der Könige“, jener Nekropole, die seit Jahrtausenden die Gräber von Pharaonen und Königen bewahrt hat, kaum jedoch die Mumien und unermesslichen Schätze schützen konnte, die fast ausnahmslos bereits im Altertum Opfer von plündernden Grabräubern geworden waren. Nur die unter 100.000 Tonnen Schutt verborgene Gruft des Tutenchamun war der Schändung entgangen. Der Reiseleiter Mahmut Lotfy machte während der letzten Rangierbewegungen des Busses unsere Gruppe darauf aufmerksam, dass das Fotografieren und Filmen in den Grabkammern strikt verboten sei. Es seien nur Außenaufnahmen gestattet. Am besten, so ergänzte er seine Warnung, ließe man die Kameras im Bus. Schade, dachte ich, ein paar Bilder von Grabmalereien, die vor mehr als 3200 Jahren entstanden sind, wären eine schöne Erinnerung und eine Bereicherung für meine Fotosammlung. So würden uns nur die Aufnahmen vom Gelände bleiben. Angelika und ich machten uns auf, ein paar Gräber dieser labyrinthischen Unterwelt zu besichtigen. Ein gepflasterter, sanft ansteigender Weg, links und rechts und am Ende umrahmt von schräg aufstrebenden sandfarbenen Felsen, wies uns die Richtung zu den Gräbern. Sand und Stein waren zu Bergen getürmt, die ausgedörrt von der ewig brennenden Glut der Sonne nicht einen Grashalm sprießen ließen. Still war es, keines Vogels Laut war zu hören. Es schlängelten sich unbefestigte Stege an den Hügeln bis zu dem felsigen Grat der Berge hoch und darüber hinweg: Wanderwege der Wächter und zugleich historische Pfade der Grabräuber. Ein tiefblauer Himmel tat sich über uns auf; kein Luftzug regte sich. Schon jetzt, am frühen Morgen, brannte die Sonne herab, und es war auf den Wegen unerträglich heiß. Nur der scharfgeschnittene Schatten des eigenen Körpers war zu sehen. Etwa alle fünf oder sechs Jahre fallen hier, am Rande der Libyschen Wüste, ein paar Tropfen Regen. Der Weg wand sich etliche hundert Meter durch das Tal mit den Gräbern. Links und rechts in unregelmäßigen Abständen und Höhen sahen wir gemauerte Eingänge, die die Stollen der Ruhestätten schützten. Die meisten waren durch Gitter oder Verschläge versperrt und der Öffentlichkeit nicht zugänglich. Auf der linken Seite, ziemlich am Ende eines kurzen Nebenweges, befand sich vor einer schroff aufsteigenden Felswand die Grabstätte von Tausret und Sethnacht. Das Tor war geöffnet. Am Wächter und dem Schild mit dem Hinweis auf das Fotografierverbot vorbei und durch das Portal betraten wir einen langen, in den Felsen geschlagenen zweieinhalb Meter breiten und drei Meter hohen Gang, der in sanftem Gefälle tief in den Berg hineinführte. Hier war es etwas kühler als draußen. Neonbeleuchtung sorgte für gute Sicht, Holzplanken und Geländer für sicheren Tritt. Meine Kamera steckte in der Fototasche. Links und rechts an den glatten Wänden die faszinierenden Malereien aus längst vergangenen Zeiten in erstaunlich gut erhaltenen Farben und die eingemeißelten Figuren und Hieroglyphen, die vom Leben und Wirken Tausrets und Sethnachts berichteten und von Göttern und der Unterwelt erzählten. Und dann eine kleine, hohe Säulenhalle, eine Treppe, ein Gewölbe und dahinter ging es noch tiefer und weiter in den Berg. Über uns an der Decke Fresken, die das Blau des Himmels andeuteten. Phantastisch! Wie haben es die Menschen damals mit ihren einfachen Werkzeugen nur geschafft, solche Bauwerke zu errichten? Und hier darf nicht fotografiert werden? Wer will das kontrollieren? Ein Foto ohne Blitz kann doch nicht schaden, war meine Überzeugung. Dass die Altertumsverwaltung lieber ihre überteuerten Ansichtskarten und Fotobände verhökern möchte, war mir klar. Deshalb darf hier nicht fotografiert werden. Es war niemand zu sehen, der als Wachpersonal erkennbar gewesen wäre. Nur ein paar Touristen liefen umher. Und hinten an der Pforte im grellen Tageslicht stand der Türsteher. Und der war weit weg. Unauffällig schaute ich mich zum Eingang um, an dem der Wärter damit beschäftigt war, Eintrittskarten einzureißen. Von dem drohte kein Ungemach! Fotografierverbot? Noch ein rascher Blick rundherum, schnell die Fototasche geöffnet, flink den Blitz der Kamera ausgeschaltet, das Objektiv auf eine Malerei gerichtet, auf das Display einen schnellen prüfenden Blick geworfen, den Atem angehalten, die Hände beruhigt und auf den Auslöser gedrückt. Fertig! Durchatmen! Dreißigstel Sekunde! Ob das wohl etwas geworden ist? Ein leises triumphierendes Lächeln warf ich Angelika zu, stolz darauf, ein verbotenes Bild geschossen zu haben. Hier nicht fotografieren? Aber nicht mit mir! Das wäre doch gelacht! Sollen die doch zusehen, welchen Touristen sie ihre bunten Broschüren andrehen können. Mir jedenfalls nicht! Als ich noch damit befasst war, die Kamera in die Tasche zu stecken, riss sie mir plötzlich jemand aus der Hand und ging damit fort. Ein Wächter in einer schmutziggrauen Galabija, dem langen hemdartigen und kragenlosen Gewand der Araber, ging mit meiner Kamera davon! Ich war wie vom Schlag gerührt. Wo kam dieser Mann so plötzlich her? Mir schoss durch den Kopf: 750 Euro kostete die Olympus, unersetzlich die Aufnahmen auf den Speicherkarten, alles nur wegen des dummen Fotos futsch? Ich machte ein paar lange Schritte und holte den Wächter ein. Bevor ich noch mit ihm sprechen konnte, gab er mir mit strengem Gesicht in holprigem Englisch zu verstehen, dass ich wegen der Kamera am nächsten Tag bei der Polizei in Luxor vorsprechen könne. Mir blieb förmlich die Luft weg. Am nächsten Tag? Bei der Polizei? Wo? In Luxor? Wie um Himmels willen kann ich am nächsten Tag in Luxor sein, wo wir mit unserem Schiff schon längst weiter in Richtung Süden gefahren sind, war mein erster Gedanke. Und weiter: Das kann er doch nicht tun! Als ich mich einigermaßen gefasst hatte, gab ich dem Mann reumütig zu verstehen, dass ich das Fotografierverbot völlig vergessen habe und entschuldigte mich bei ihm. Er jedoch blieb hiervon unberührt, sah mich scharf an und wiederholte noch einmal seinen Spruch mit der Polizei. Was tun? Ich kramte in meinem Hirn nach Vokabeln und guten Ausreden und Schmeicheleien. Wog die Argumente ab und verwarf sie sogleich wieder. Ratlosigkeit! Der Mann war ja im Recht! Dann kam mir Karl May zu Hilfe, in dessen Büchern ich vor langer Zeit allerhand orientalische "Weisheiten" gefunden hatte. Kara Ben Nemsi, der große Held dieser Geschichten, hätte im Handumdrehen einen Weg aus dem Dilemma gefunden. Er kannte die Mentalität der Araber. Wie ein Blitz fiel mir dann die Lösung ein: Ich rückte etwas näher an den Mann heran, sah ihm in die Augen und flüsterte ihm zurückhaltend ein orientalisches Zauberwort zu: „Bakschisch?“ Wie aus der Pistole geschossen kam die Antwort: „No Problem!“ „Pound, Dollar, Euro?“, fragte ich ihn. „Euro!“ Ich zückte meine Geldbörse. Dollar, Ägyptische Pfund und eine Zwanzig-Euro-Note waren darin. Und diese war ich jetzt wohl los. Zehn Euro hätten es sicher auch getan. Feilschen wäre in dieser Situation sicher nicht angebracht gewesen. Also überreichte ich meinem Geschäftspartner den Geldschein. Er nahm ihn, sah Angelika und mich an, setzte eine Leidensmiene auf und bedeutete uns durch Gesten und radebrechend, dass er Hunger habe und dass seine Zähne repariert werden müssten. Der Aufseher händigte mir die Kamera aus. Höflich bedanke ich mich und reichte ihm die Hand, die er bereitwillig nahm und mich fortan „Friend“ nannte. Immer wieder schaute sich der Wärter nervös um, zog uns dann in die hinterste Ecke der mittleren Säulenhalle und gab mir flüsternd zu verstehen, dass ich ein paar Fotos machen dürfe - diskret und ohne Blitz, damit niemand etwas bemerke. Er stand Schmiere und gab mir Zeichen. Drei sehr schöne Bilder machte ich. Der Galabijaträger begleitete uns noch bis an das Ende der Grabstätte, einer zweiten Säulenhalle, in dem sich der leere Sarkophag befand. Danach verabschiedeten wir uns von ihm. Er nahm uns nacheinander in seine Arme und drückte uns fest an seine Brust, wobei er bei der Umarmung Angelikas ein deutliches „Aah!“ vernehmen ließ. Während wir die hundertzwanzig Meter zum Ausgang zurückgingen, sahen wir, wie ein anderer Aufpasser einem Franzosen einen Fotoapparat wegnahm. Hoffentlich hatte er als Kind ebenfalls Karl May gelesen! © Text und Fotos Heinz Albers, Juni 2008 |
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Grundlegende Informationen zum Grab der
Tausret und des Sethnacht gibt es hier (externer Link) : |
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